Wissenswertes rund um Biene, Bienenstich & Co.

Wissenswertes zu Honigbienen – eine kleine Einführung
In einem Bienenvolk tummeln sich im Sommer bis zu 40.000 Bienen, darunter genau eine Königin und etwa 1000 Drohnen (Männer). Alle anderen Bienen sind Arbeiterinnen, die sich um die Brutpflege und das Sammeln von Pollen und Nektar kümmern. Die Arbeitsbienen arbeiten sich im Frühjahr und Sommer stark auf (Brutpflege und Sammelflüge) und werden daher nur etwa 6 Wochen alt. Eine Königin legt deshalb in der Hochphase (Sommersonnenwende) etwa 1000 Eier pro Tag. Nach 3 Wochen Brutpflege schlüpfen dann die Jungbienen.

Etwa im August werden die Drohnen „rausgeschmissen“ und ein kleineres Volk mit etwa 5000 Bienen überwintert mit der Königin im Zentrum der sogenannten Wintertraube. Die langlebigeren Winterbienen leben etwa 6 bis 9 Monate von den gesammelten Vorräten (Honig und Pollen) und starten dann die Vermehrung im ausgehenden Winter bzw. beginnenden Frühjahr bis das Volk um die Sommersonnenwende wieder seine maximale Volkstärke erreicht hat.

Eine Bienenkönigin kann etwa 4 bis 5 Jahre alt werden, bevor ihr Samenvorrat erschöpft ist und das Volk sich eine neue, junge Königin heranzieht.

Die natürliche Vermehrung von Bienenvölkern geschieht über den Schwarm, d.h. in der Zeit von Mai bis Juni teilen sich starke Völker. Die alte Königin zieht mit etwa der Hälfte der Bienen aus und gründet an einem (etwas) entfernten Ort ein neues Bienenvolk. Sie hinterlässt ihrer in Kürze schlüpfenden Nachfolgerin den vorhandenen Bienenstock mit Wabenwerk, Futtervorräten und der Hälfte der Bienen. Die junge Königin schlüpft einige Tage nach Auszug des Schwarmes und begibt sich dann auf den Begattungsflug, bei dem sie von bis zu 20 Drohnen begattet wird und damit den Samenvorrat für ihre gesamte Lebensdauer aufnimmt.

Wir Imker versuchen den Schwarmtrieb zu lenken und die eigentliche Vermehrung der Völker zu kontrollieren, da Bienenvölker in der freien Natur durch Schädlinge und Krankheiten sehr schlechte Überlebenschancen hätten. Wenn doch mal ein Bienenschwarm auszieht, wird dieser von uns Imkern eingefangen und in einen neuen Bienenkasten einlogiert. Wir freuen uns daher sehr, wenn uns Schwärme gemeldet werden und wir entsprechend reagieren können.

Normalerweise ernten wir zweimal pro Jahr den Honig: einen Frühjahrshonig meist Ende Mai/Anfang Juni und eine Sommerhonig Anfang/Mitte Juli. Dann haben die Bienen bereits ihren Volkshöhepunkt überschritten und bereiten sich langsam auf den Winter vor. Als Ersatz für den entnommenen Honig füttern die Imker die Bienen mit Zuckersirup und hoffen, dass sie ihr Bienenvolk gesund und kräftig im nächsten Frühjahr wieder fliegen sehen dürfen.

Im Gegensatz zu den etwa 550 Wildbienenarten in Deutschland, von denen etwa die Hälfte auf der Roten Liste steht und sogar 30 Arten vom Aussterben bedroht sind, ist die Honigbiene in der Obhut des Imkers gut aufgehoben und aufgrund der guten Pflege (z.B. Vorsorge gegen die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe und Begleitkrankheiten) nicht gefährdet.
Allerdings hat auch die Honigbiene teilweise Probleme mit der Nahrungsversorgung speziell im zeitigen Frühjahr und Spätsommer (durch Klimawandel/Trockenheit und „ausgeräumte“ Landschaften). Hier kann jeder mit geeigneten Anpflanzungen – egal, ob im eigenen Garten oder auf dem Balkon – Hilfe leisten. Infos findet man z.B. bei der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim: https://www.lwg.bayern.de/bienen/natur_umwelt/084215/index.php

Noch ein paar Zahlen:

Für ein 500g-Glas Honig fliegen die Bienen etwa 40.000 mal zum Sammeln von Pollen und Nektar in die Natur aus und legen dabei eine Strecke von 120.000 km zurück (dreimal um die Erde)!

In Deutschland gibt es etwa 1 Mio. Bienenvölker die von etwa 140.000 Imkern (zu 95% Hobbyimker wie ich) betreut werden. Nur ein kleiner Prozentsatz der Imker betreibt die Bienenhaltung als Neben- oder Haupterwerb.

Weitere Infos und Aktuelles aus meiner Imkerei gibt es auf meinem Blog:

http://www.guessbacher-honigbiene.de

Verhalten am Bienenstock

Bienen sind normalerweise erstmal friedliche Tiere. Es gibt aber einige Verhaltensweisen zu beachten, wenn man sich einem Bienenstock nähert oder an diesem arbeitet:

  • habe ich eine Bienengiftallergie?
  • nie von der Fluglochseite an einen Bienenstock herantreten
  • Gerüche vermeiden
    • Parfüm/Deo
    • nicht frisch aus der Dusche
    • duftende Handseife
    • Schweißgeruch
  • Kleidung
    • eher helle als dunkle Kleidung
    • möglichst langärmelig
    • lange Hose, Socken, geschlossene Schuhe
    • kein Fleece
  • glänzende Gegenstände vermeiden
    • Ringe, Ketten
    • Brillen
  • ruhiges Verhalten
    • keine hektischen Bewegungen
    • kein Lärm

Unterschiede zwischen Bienen, Wespen und Hornissen

Oftmals hört man, „ich wurde von einer Biene gestochen“. Doch beim Hinterfragen stellt sich häufig heraus, dass viele nicht den Unterschied zwischen Wespen, Bienen und Hornissen kennen:

http://www.bienen-wespen-und-hornissen.de/

Bienenstiche – erste Hilfe und Vorbeugung

Bei Stichen in den Mund oder einer Bienengiftallergie (macht sich bemerkbar z.B. durch Übelkeit, Kreislaufstörungen, Atemnot, Hautausschlag, Herzrasen) sollte sofort der Notarzt (112) gerufen werden.

In allen anderen Fällen ist ein Bienenstich, genauso wie ein Wespenstich erstmal nur unangenehm.

Tipps aus eigener Erfahrung:

  • Stachel möglichst schnell entfernen; dabei nicht die Giftblase noch weiter ausdrücken, sondern mit dem Fingernagel vorsichtig herausschieben
  • Hitzebehandlung (z.B. mit heißem Löffel), da damit das Eiweiß des Bienengiftes (ab ca. 40°C)  zerstört wird
  • kühlen (Kühlpack, kühlendes Insektengel, Essigwasser …)
  • Spitzwegerich oder eine frisch aufgeschnittene Zwiebel auf die Einstichstelle legen

Weitere Infos gibt es z.B. hier:

https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/erste_hilfe_beim_bienenstich.pdf

http://www.bienenstiche.com/erste_hilfe.html